Mein lieber Jan,
die Tage sind schon wieder kaum merklich länger, doch es ist immer noch Sommer, der sich als Herbst ankündigt. Es hat die letzten Tage geregnet und ich bin erstaunt, dass die Menschen nicht so auf das kühlere und feuchte Wetter schimpfen, wie man es halt gewohnt ist.
Meine Erlebnisse beschränken sich auf ein paar kleine, nicht sehr bedeutsame Begebenheiten in den letzten Tagen. Anja hat sich einmal per E-Mail gemeldet und ich habe mein Buch „Peter Camenzind“ von Hermann Hesse fertig gelesen. Eine Überraschung habe ich natürlich erlebt und bin damit auch ganz schön ins Wanken geraten. Ein Kunde hat mir so viel Geld, zu viel, überwiesen, dass ich davon mehrere Rechnungen hätte begleichen können. Nun ja nun überweise ich es zurück und die Sache ist aus der Welt. Aber es ist schon in gewisser Weise ärgerlich und wenn ich bedenke, in was man für eine Situation dabei geraten kann. Wenn ich schon dabei bedenke, dass man zum Beispiel sein Geld bekommt und darüber hinaus noch mehr, dann ist das auch schön. Doch was ist, wenn die anderen gestellten Forderungen nicht eingehen und aber den überzahlten Betrag erhalten hat, von dem alles beglichen wird? Ein Katastrophe! Denn die erhaltenen Gelder die man zurückzahlen muss, sind in der Annahme es seien die berechtigten Forderungen der anderen Kunden, schon ausgegeben. Und man hat keinen Centime mehr für die bevorstehende Rückzahlung. Ein Katastrophe! Sondersgleichen! Nun ja. Nun ist das ja alles zum Glück nicht passiert. Doch ich will Dir damit sagen, mein lieber Freund, dass ich mir nur bewusst bin, was einem in Folge eines solchen Versehens passieren kann. Es sind die täglichen kleinen Verwicklungen in den Abfolgen des Vergänglichen, die zu den Verwirrungen führen. Mit der Zeit verblassen sie. Doch sie sind da und lassen sich nicht täuschen. Ja mein lieber Jan, Du hast richtig gelesen. Sie lassen sich nicht täuschen. Die täglichen kleinen Verwirrungen, deren neue Stimulationen aus den Pfaden des täglichen Erwachens, des Zusammenspiels der Ereignisse, immer wieder neu geboren werden. Unser Glück gründet sich auf das Eintreten der Ereignisse, die uns lieb sind und glücklich machen, weil sie uns einfach gut tun und sich dabei auch noch neu daherzeigen.
Wie geht es Dir, mein Freund? Hast Du Deine Wochen in Südafrika verbracht? Was macht Katja? Sie wollte sich doch nun schon mal auf die Suche nach einer neuen Wohnung machen? Ist sie mit dem letzten Semester nun schon fertig oder hat sie noch bis zum Jahr 2009 weiter zu machen? Viele Fragen mein lieber Jan und das, weil wir uns schon so lange kennen. Ist das nicht schön?
In Deinem letzten Brief hast Du mich gefragt, ob ich nun meine Arbeit so weiter mache oder ob mir ein neues Aufgabengebiet suche. Nun Jan, ich glaube daran, das sich alles zum Guten wenden wird. Ich bin immer noch guter Hoffnung. Damit verbindet sich die Freude, auch auf Gott vertrauen zu können, der sich ja meist als stiller Begleiter offenbart und dann in dem Moment, wo man eine Entscheidung fällt, sich immer wieder einmischt. Das empfinde ich nicht immer als gerecht. Hätte er mich doch mal am Anfang besser beraten. Aber ich will mich nicht so über ihn auslassen und ich glaube es interessiert ihn nicht. Den einzigen dem mein Leben und Schicksal interessiert ist - mein Engel. Manchmal sitzt er an meiner Seite und passt auf, dass ich keinen Fehler mache. Er ist einer, der mir die Hoffnung gibt das richtige zu tun. Und wenn ich eine Entscheidung fälle in meinem Leben, oder ich sogar einen Fehler beging, dann mischt er sich auch ein. Aber bei meinem Engel habe ich das Gefühl, dass er mich beschützt, mir hilft, mir zeigt wie es besser gehen kann. Manchmal schimpft er auch mit mir. Doch dann weiß ich, er meint es gut mit mir. In der gleichen Weise lobt er mich und freut sich auch mit mir. Meinem Engel kann ich immer, in jedem Moment meines Lebens vertrauen.
So mein lieber Freund. Schließen werde ich jetzt meine Zeilen und freue mich schon auf Deine Antwort. Lasse mich nicht so lange warten. Du weißt, ich bin neugierig was Du dazu denkst. Und ich will wissen wie es mit Katja läuft. Lasse es mich wissen.
Ich habe Dir noch ein schönes Foto wie immer mit beigefügt. Gefällt es Dir?
Hier noch ein Zitat für uns beide, als Ausdruck unserer Freundschaft und als Dank für die Stunden in Gesprächen und Zuhören:
Das Schönste an einer Freundschaft ist nicht die ausgestreckte Hand, das freundliche Lächeln oder der menschliche Kontakt, sondern das erhebende Gefühl, jemanden zu haben, der an einen glaubt und einem sein Vertrauen schenkt. (Ralph Waldo Emerson)
Mit allen guten Gedanken für Dich
